Der Comer See empfängt einen leise. Morgens liegt Nebel über dem Wasser, die Villen erwachen langsam, und die ersten Boote ziehen ihre Bahnen. Fünf Tage lang folgten wir keinem Plan ausser dem Licht: frühe Spaziergänge durch Bellagio, lange Mittagessen am Wasser, Nachmittage in den terrassierten Gärten alter Anwesen.
Anreise über Mailand, dann mit dem Regionalzug in einer Stunde nach Varenna. Einchecken, kurz durchatmen, danach der erste Spaziergang: die Passeggiata degli Innamorati entlang zum kleinen Hafen. Zum Abendessen Fisch aus dem See in einer Trattoria am Wasser, danach ein Espresso an der Mole, während die letzten Fähren ihre Lichter über den See ziehen.
Mit der ersten Fähre um kurz nach acht nach Bellagio, bevor die Tagesgäste kommen. Durch die Treppengasse Salita Serbelloni schlendern, dann in die Gärten der Villa Melzi: Zypressen, Azaleen und immer wieder dieser Blick aufs Wasser. Mittagessen an der Seegabelung. Am Nachmittag ein privates Boot mieten und die Villen vom Wasser aus betrachten. So sieht man den See, wie er gemeint ist.
Mit der Fähre nach Lenno und zu Fuss über den Halbinselweg zur Villa del Balbianello, der vielleicht schönsten Villa des Sees. Die Loggia mit ihren Glyzinien ist der Ort für Fotos, die man Jahre später noch anschaut. Danach Badepause am Lido di Lenno, ein spätes Mittagessen und am Abend ein Aperitivo zurück in Varenna.
Vormittags in die Stadt Como: der Dom, die alten Seidengeschäfte, ein Caffè an der Piazza. Dann mit der Standseilbahn hinauf nach Brunate. Oben wartet der weite Blick über den See bis zu den Alpen, unten glitzert die Stadt. Zum Sonnenuntergang zurück am Wasser, ein Glas in der Hand, nirgendwo hin müssen.
Noch einmal früh aufstehen. Der Nebel liegt über dem Wasser, in Varenna baut der Markt auf. Ein Cappuccino am Hafen, ein letzter Blick über den See, dann der Zug zurück nach Mailand. Was bleibt, ist kein Programm, sondern ein Rhythmus. Der See gibt ihn vor, und man tut gut daran, ihm zu folgen.